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Der heilige Ort

Dieser Herbst ist keiner wie jeder andere zuvor, der den jährlichen Stresseintopf aus vorweihnachtlichem Einkaufstrubel, Veranstaltungsflut und bevorstehendem Jahresabschluss aufkocht. Im Kochtopf dieses Herbstes brodelt ein komplett anderes, giftiges Gebräu: es heißt Unsicherheit.

In unserer Kindheit bilden wir im Idealfall etwas aus, was Urvertrauen genannt wird. Dies ist die Fähigkeit Menschen und Situationen zu vertrauen und ein Grundpfeiler in der Entwicklung des Charakters und der Persönlichkeit eines Menschen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft entwickelt sich dieses Urvertrauen innerhalb der ersten Lebenswochen und -monate und kann in der späteren Entwicklung nicht einfach nachgeholt werden. Im gegenteiligen Fall spricht man von Urangst, welche sich ebenfalls prägend auf die Charakter- und Persönlichkeitsbildung auswirkt.

Aus energetischer Sicht unter Hinzunahme der Chakrenlehre ruht dieses Urvertrauen im ersten Chakra, dem Wurzelchakra, an der Basis unserer Wirbelsäule, dem Kreuzbein. Die wissenschaftliche Bezeichnung für das Kreuzbein lautet Sacrum, aus dem Lateinischen übersetzt mit Heiligtum, heiliger Ort. Wenn dieser Abschnitt der Wirbelsäule als heiliger Ort benannt wird, muss dem dort verankerten Urvertrauen eine zentrale Bedeutung für ein gesundes, intaktes Menschsein zukommen.  Im Sakralbereich liegen auch die existenziellen Themen  des menschlichen Daseins, eng verbunden mit dem Urvertrauen: Lebensenergie, Vitalität, Sicherheit. Hier erden wir uns, verbinden uns mit der Natur, hier liegt unsere Basis für alles Weitere im Leben.

Was stört unser Urvertrauen? Alles, was die Lebensenergie, die Vitalität (und damit die Gesundheit) und unser Bedürfnis nach Sicherheit aus der Bahn wirft. Ein Herbst wie dieser mit seinem giftigen Gebräu aus Angst und Unsicherheit greift unterschwellig und effizient nach der Lebensenergie jedes einzelnen Menschen, untergräbt damit die Fundamente einer vitalen Gesundheit und rüttelt am Vertrauen in eine sichere Gegenwart und Zukunft. Welchen Einfluss übt diese vergiftete Zeit nun auf unseren Rücken, auf den heiligen Ort im Sakralbereich aus? 

Aus der Psychosomatik wissen wir inzwischen, dass sich die Störungen der Psyche auf unser Körpersystem auswirken. Die Psyche wirkt auf den Körper. Unsichere Lebensumstände erzeugen Stress, Stress baut Spannungen auf, Spannungen lassen Blockaden entstehen, Blockaden erzeugen Schmerz. Selten werden Rückenschmerzen, speziell Blockaden im Sakralbereich bzw. im vielzitierten Iliosakralgelenk, mit Depression oder seelischer Überbelastung in Verbindung gebracht. Depression äußert sich aber nicht nur in Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen oder Energiemangel. Über Schmerzen drückt der Körper ebenso seelische Not aus, die Schmerzregion gibt Hinweise auf den psychischen Bezug. Unsicherheit und Angst vor der Zukunft drücken sich manchmal sogar im Schmerzcharakter aus. Wenn eine plötzliche Blockade im Iliosakralgelenk auftritt, die durch übermäßige Angst und Unsicherheit - oft vollkommen unbewusst - ausgelöst wird, entsteht nicht selten ein undefinierbares Gefühl von Panik. Es ist, als würde die Angst, die durch das Hintergrundrauschen des Alltags verborgen war, in das Bewusstsein gerückt werden. 

Was können wir tun, um Urvertrauen und Sicherheit zu stärken? Loslassen heißt hier das Zauberwort. Loslassen von einem Übermaß an Medienkonsum, besonders dünn"häut"ige Menschen (wir erinnern uns: die Haut zählt mit Lunge und Dickdarm zu den Organen des TCM-Metalls) sind viel zu durchlässig und speichern unbewusst, was ihnen schadet. Loslassen von Glaubenssätzen und Meinungen, loslassen von schwarzmalerischen Prognosen, wahrnehmen und loslassen von Manipulation. Wahrnehmen, was mir ein unangenehmes Gefühl bereitet, analysieren, woher es wirklich kommt: betrifft es wirklich mich oder projiziert der andere seine eigenen Gefühle auf mich? Betrifft es wirklich mich? Nein? Loslassen, loslassen, loslassen! Viel zu oft bemerken wir nicht, dass die Angst der anderen auf uns überschwappt, dass die Unsicherheit der anderen zu unserer eigenen wird, dass wir ein Teil von ihnen werden. Indem ich geerdet bin, kann ich loslassen, was nicht meines ist. Wie erde ich mich? Bewegung in der Natur, arbeiten mit Erde und Boden, Nahrung aus biologischen und regionalen Lebensmitteln, Leben im Rhythmus der Jahreszeiten, Rhythmen und Rituale im Tagesablauf, Meditation, Beschäftigung mit der Gegenwart, Lachen, Sport im Freien, Yoga (ich bevorzuge Kundalini-Yoga). Was dem Rücken zusätzlich hilft, sind ausgewählte Krafttrainingseinheiten und Faszienbehandlungen (z.B. mit Blackroll und Cupping).

 

Ein (bekannter) Gedanke zur Stärkung des heiligen Ortes:

 

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,

die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
  Einen Tag nach dem anderen zu leben,
  einen Moment nach dem anderen zu genießen.
  Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.
  Diese sündige Welt anzunehmen, wie Jesus es tat,
  und nicht so, wie ich sie gern hätte.
  Zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
  wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
  sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
  und im nächsten für immer überglücklich.

(Reinhold Niebuhr)