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Roter Schnee

Die Pferde kneifen die Augen zusammen und stellen sich mit dem Hinterteil in den Wind. Ein Schneesturm pfeift übers Land, aber das stört sie nicht, im Gegenteil: sie lieben es eingeschneit zu werden und bleiben beharrlich im Freien, obwohl der Offenstall mit vollen Heunetzen und ein paar Apfelstücken lockt. Pferde besitzen ein dichtes Winterfell, das sie vor Nässe und Kälte schützt. Manchmal jedoch - und da sind sie uns Menschen völlig gleich - findet der kalte Wind im Rücken jene Angriffspunkte, die das Immunsystem schwächen. In Verbindung mit Nässe und Kälte kann sich das auf Nieren oder Blase schlagen, jenen Organen, die dem Winter zugeordnet sind und in dieser Zeit besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.

Eine Blasenentzündung zeigt sich nicht nur an kleinen, rötlich-braunen Flecken im Schnee oder in den Sägespänen sondern auch daran, dass das betroffene Pferd sich immer wieder zum Wasserlassen hinstellt, aber nur wenig rinnen läßt. Wenn es ganz schlimm ist, kann es sich wie Rückenschmerzen oder eine Kolik äußern (flehmen, eingeschränkte Hinterhandtätigkeit, häufiges Hinlegen und Aufstehen). 

Wenn wie bei uns die Pferde zu Hause im Offenstall leben und ihr ganzes Verhalten samt den Gewohnheiten sehr gut bekannt ist, dann erkennt man sofort die kleinste Unregelmäßigkeit und kann schnell reagieren. Unsere Stallapotheke hält die wichtigsten homöopathischen Arzneimittel griffbereit, in diesem Fall das erste Mittel der Wahl Cantharisdie spanische Fliege. In den meisten Fällen hat Cantharis eine große Reichweite bis zur kompletten Ausheilung der Blasenentzündung. Wichtig bei Cantharis ist, die Balance in der Häufigkeit der Gabe zu halten, denn wird es zu oft verabreicht, kann es die Symptome (NICHT die Entzündung!!!) verstärken. Am ersten Tag häufiger zu geben, etwa alle zwei bis drei Stunden, und ab Tag zwei maximal dreimal täglich, war in den meisten Fällen eine erfolgreiche Dosierung. Sobald die offensichtlichen Symptome verschwunden sind, ausschleichen lassen.

 

Weitere mögliche Mittel für Blasen- oder Nierenentzündungen:

Apis, die Honigbiene

Lycopodium, der Bärlapp

Pulsatilla, die Kuhschelle

Dulcamara, der bittersüße Nachtschatten

Belladonna, die Tollkirsche

Oft helfen sanfte, wärmende Massagen der Nierengegenden und dünne Decken auf dem Rücken die Unterkühlung abzuschütteln. Achtung: wenn sich das Pferd vor der Berührung zurückzieht und versucht die Decke loszuwerden, unbedingt dem Wunsch entsprechen. Unabhängig davon, dass Blasenentzündungen durch Kälte oder Nässe hervorgerufen werden, kann Wärme die Symptome verschlimmern. Das Geheimnis des Heilungsprozesses liegt in der Individualität des Lebewesens.