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Warm-up

Ein Ernährungsplan mit Kalorien zählen, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate berechnen oder Lebensmittel ausschließen erscheint mir zu einseitig und bedient nicht die Komplexität der gesamten körperlichen Vorgänge. Im Sinne einer ganzheitlichen Herangehensweise bietet die TCM, die traditionelle chinesische Medizin, viele Möglichkeiten für eine gesunde und heilvolle Ernährung. "Die Nahrung sei deine Medizin", lautet ein Spruch von Hippokrates und er ist heute genauso wahr wie 400 v.Chr. Wenn die Nahrung unsere Medizin ist, wie dient ein Frühstück unserer Gesundheit?

Das gesamte Organsystem braucht, um einwandfrei funktionieren zu können, Energie, Qi, wie die TCM sie nennt. Energie muss von aussen zugeführt werden, die entsteht nicht einfach so. Nun gibt es laut TCM zwei Möglichkeiten der Energielieferanten: Nahrung und Sauerstoff oder die Energiereserven unserer Nieren, das vorgeburtliche Qi, das uns von unseren Eltern zur Verfügung gestellt wird und uns über Notzeiten hinweg helfen soll. 

In der Früh zwischen 7 und 9 Uhr wartet der Magen mit einem Leistungshöchststand auf Nahrung, die er zerlegen kann, um dem Organsystem Energie zur Verfügung zu stellen. Bekommt er keine Energie in Form von Nahrung, zapft der Körper die Energiedepots der Nieren an. Wenn der Wegfall des Frühstücks ein Dauerzustand ist, schmelzen die kostbaren Vorräte für unsere Notzeiten unwiederbringlich dahin. 

Jetzt wissen wir um die Wichtigkeit eines "kleinen Mittagessens" in der Früh - nun gilt es herauszufinden, was dem Körper am zuträglichsten ist. Im Begriff "kleines Mittagessen" versteckt sich tatsächlich ein wichtiger Hinweis: die Wärme (zu Mittag essen wir meistens warm). Der Vorteil eines warmen Frühstücks zu einem kalten liegt klar auf der Hand:

  • Der Körper verliert keine Energie zum Anwärmen der Nahrung.
  • Dem Körper wird sofort Wärme zur Verfügung gestellt, was dem Immunsystem und dem Verdauungsfeuer dient.
  • Gewicht und Appetit regulieren sich automatisch, weil warme Nahrung leichter verdaulich ist und schneller verbrennt. 
  • Die Abfallprodukte, die bei langsamer oder schlechter Verdauung entstehen und den Körper verschleimen, fallen weg und so bleibt der Organismus von vielen bekannten Leiden verschont.

Es gibt mehrere Möglichkeiten warm zu frühstücken und sich an diese Esskultur, die unseren Großeltern wohl bekannt war, wieder anzunähern.

Die Suppe, der Frühstücksklassiker in Asien, kann leicht vorbereitet und sogar mit in die Arbeit genommen werden.

Ein gekochter Brei aus Haferflocken und Obst, gewürzt mit Zimt, Kardamom, Nelken, Ingwer und Rohkakao sättigt langanhaltend und schmeckt lecker. Das Obst süßt hierfür ausreichend.

Wer lieber pikant frühstückt, ist mit gekochtem Getreide und Gemüse gut beraten - auch leicht vorzubereiten und am Arbeitsplatz verzehrbar. Meine Eltern lieben z.B. Polenta zu ihrem Frühstückskaffee. 

Eine schöne Sonntagsvariante sind Pancakes mit Beeren und Ahornsirup oder Eierspeisen, mit und ohne Gemüse (heimische Pilze oder Champignons eignen sich dafür hervorragend).

Für den Brotesser und Kaffeetrinker erscheint die Umstellung auf die warmen Frühstücksvarianten anfangs unmöglich, weshalb eine schrittweise Annäherung die Umstellung erleichtert:

Weißbrot und Brot mit Hefe austauschen gegen Sauerteigbrot, das knusprig getoastet wird, um den Großteil der Feuchtigkeit zu entziehen (Feuchtigkeit verschleimt). Bohnenkaffee durch Dinkelkaffee, Kuhmilch durch pflanzliche Milch ersetzen. Vor dem Frühstück ein Glas warmes Wasser oder Ingwertee trinken, Kompotte essen, ein weiches Ei oder selbst gemachtes Gemüsebruschetta statt Käse oder Wurst aufs Brot.

 

Wer eine zeitlang die Vorteile eines warmen Frühstücks gekostet und erfahren hat, wird nur mehr in Ausnahmefällen zu seinen alten Gewohnheiten zurückkehren.