
2019 erlebten mein Mann und ich mit zwei unserer engsten Freunde ein Abenteuer, das ganz oben auf unserer "bucket list" stand: das Langstrecken-Radrennen quer durch die Wüste von der Pazifikküste bis zu den Rocky Mountains. 1500 Kilometer, 17.000 Höhenmeter, Tagestemperaturen über 45 Grad Celsius, Schlaf nur, wenn es überhaupt nicht mehr geht. Tag und Nacht Radfahren, nonstop vom Start bis ins Ziel, und drei Menschen in einem Pacecar zu jeder Minute dieses Rennens an der Seite des Radrennfahrers.
Auf dieser Route gibt es viele mögliche Gefahren: sengende Hitze von oben, brennend heißer Asphalt von unten, Schwerverkehr in der Nacht, Gebiete ohne Telefon- und Internetempfang, Wildhunde, Schlangen, weite Strecken ohne Versorgungsmöglichkeit bei Pannen. Also nur etwas für Mut-Tiger? Keineswegs! Dann doch Angst-Hase? Das kann nicht sein. Was ist es dann, das die Angst überwinden lässt und mutig(er) macht?
Die Existenz verschiedener Ängste scheint bekannt zu sein: Angst vor Spinnen, Angst vor Prüfungen, Existenzängste, Angst vor Diktatur, Höhenangst, Angst vor Krankheit, Angst vor Dunkelheit, Angst vor Gespenstern, Angst ausgeschlossen zu werden. Selbst in der Homöopathie ist die Liste der Ängste seitenlang und sehr spezifisch. Was aber haben sie alle gemeinsam? Oder haben sie etwas gemeinsam? Ich behaupte: ja. Jede Angst konfrontiert mich mit einer Grenze, die die Freude, die Liebe und das Glück stoppen. Was stoppt letzten Ende alles Freudvolle, alles Liebevolle, alles Glückliche, alles Lebendige? Der Tod. Der Tod begrenzt unser Leben und zwar nicht erst am Ende unseres Lebens sondern jede Minute unserer Existenz und in der Angst kommt die Erinnerung daran unbewusst hoch.
Nehmen wir die Angst vor Prüfungen. Jeder vernünftig denkende Mensch wird sagen, dass mich eine Prüfung nicht mit dem Tod konfrontiert. Vordergründig nicht, aber was passiert, wenn ich eine Prüfung nicht bestehe? Ich darf nicht weitergehen, wohin ich geplant habe zu gehen. Jene, die die Prüfung bestanden haben, ziehen weiter und ich bleibe zurück. Früher bedeutete es den Tod, von der Gruppe zurückgelassen zu werden und alleine zu sein. Unser Inneres "erinnert" sich daran und Prüfungsängste lassen uns manchmal verzweifeln, als wäre alles Leben vorbei. Als wäre ein Versagen unser Tod. Angst ist keine Angelegenheit des Verstandes, Angst ist archaisch, verwurzelt in der Angst vor dem Tod. Wenn man so will, ist es noch immer die Angst vor dem bereits ausgestorbenen Säbelzahntiger. Wir verhalten uns, als drohte er jeden Moment um die Ecke zu kommen und uns aufzufressen. Wenn wir über eine lange Zeitspanne in der Angst verharren, verhält sich unser Körpersystem wie damals beim Säbelzahntiger. Angst (vor dem Tod) macht krank.
Die Angst vor einem Ereignis, das nicht abgewählt werden kann, ist eine Angst, die man sich sparen kann, sagt der Verstand. So funktioniert Angst aber nicht. Der Verstand hat keinen Zugang zur Angst. Die Naturheilkunde schon. Zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten stehen uns zur Wandlung von Angst zur Verfügung, typabhängig oder situationsbezogen. Hier eine kleine, feine Auswahl:
ACONIT ist ein Angstmittel erster Güte. Besonders in Situationen, wo die Todesangst spürbar wird, in der es einen Schock gegeben hat, wo uns das Blut in den Adern sprichwörtlich gefriert, quasi dem Säbelzahntiger gegenüber stehen.
PULSATILLA verdient es ganz oben erwähnt zu werden, auch wenn es als Angstmittel nicht so bekannt ist. Die Kuhschelle beruhigt beim Alleinsein, bei dem Gefühl des Verlassenseins und der Angst vor der Ungewissheit der Zukunft (auch hier wieder eine Simulation des Säbelzahntigers, wo wir aus der Gruppe ausgeschlossen sind und die Attacke des Säbelzahntigers erwarten).
CALCIUM CARBONICUM ist vielleicht bekannt als Entwicklungsmittel für Babys, aber es entgegnet der Angst vor Krankheit und Unglück, zwei berühmte Säbelzahntiger.
Viele weitere Angstmittel stehen zur Verfügung und können vom Homöopathie Interessenten nachgelesen werden. Angst läßt sich auch ganz hervorragend mit Bachblüten balancieren:
ASPEN eignet sich für unbestimmte Ängste, die nicht zugeordnet werden können und denen kein bewusstes Ereignis vorausgeht.
CERATO kann eine gute Kombinationsblüte sein, wenn die eigene Unsicherheit bezüglich seines Bauchgefühls, seiner Intuition riesengroß ist. Wer nicht mehr weiß, was seine Wahrheit oder die Wahrheit der anderen ist, lebt in Angst.
RESCUE, eine Mischung aus fünf Blüten, löst akute Panikzustände ganz hervorragend für akute Notfälle und Schock, um den Körper und das Bewusstsein aus der plötzlich eingetretenen Lähmung zu holen.
Eine Übung, die schnell und jederzeit durchführbar ist, die Angst, die im zentralen Nervensystem sitzt (Gehirn, Wirbelsäule), in das periphere Nervensystem umzuleiten und so den Focus von der Angst zu nehmen: Dazu bei spürbarer Angst z.B. vor Krankheit bewusst die Aufmerksamkeit auf die Hände oder Füße lenken und spüren, ob die Füße warm oder kalt sind, ob die Hände feucht oder trocken sind.
Und sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass Säbelzahntiger ausgestorben sind.
In 2019, my husband and I, along with two of our closest friends, experienced an adventure that topped our "bucket list": a long-distance bike race across the desert from the Pacific coast to the Rocky Mountains. 1500 kilometers, 17,000 meters of elevation gain, daytime temperatures over 45 degrees Celsius, sleep only when absolutely necessary. Riding day and night, nonstop from start to finish, with three people in a pace car by the cyclist’s side every minute of the race.
This route has many potential dangers: scorching heat from above, burning hot asphalt from below, heavy traffic at night, areas without phone or internet reception, wild dogs, snakes, long stretches without any support in case of breakdowns. So is it only for daredevils? Not at all! Then is it for scaredy-cats? That can’t be. So what is it that lets you overcome fear and become braver?
The existence of various fears seems well known: fear of spiders, fear of exams, existential fears, fear of dictatorship, fear of heights, fear of illness, fear of the dark, fear of ghosts, fear of exclusion. Even in homeopathy, the list of fears is pages long and very specific. But what do they all have in common? Or do they have anything in common at all? I claim: yes. Every fear confronts me with a boundary that stops joy, love, and happiness. What ultimately stops all that is joyful, all that is loving, all that is happy, all that is alive? Death. Death limits our life—not only at the end of our life but every minute of our existence—and in fear, the unconscious memory of this surfaces.
Take the fear of exams. Every reasonable person would say that an exam does not confront me with death. On the surface, no. But what happens if I fail an exam? I am not allowed to move forward where I planned to go. Those who pass continue on, and I stay behind. In earlier times, being left behind by the group meant death and being alone. Our inner self "remembers" this, and exam fears sometimes make us despair as if all life is over, as if failure is our death. Fear is not a matter of the mind; fear is archaic, rooted in the fear of death. If you will, it is still the fear of the already extinct saber-toothed tiger. We behave as if it could come around the corner any moment and devour us. When we remain in fear over a long period, our body system behaves just like it did back then with the saber-toothed tiger. Fear (of death) makes us sick.
Fear of an event that cannot be avoided is a fear one could spare themselves, says the mind. But fear doesn’t work that way. The mind has no access to fear. Naturopathy does. Numerous different options are available to us for transforming fear, depending on type or situation. Here is a small, refined selection:
ACONIT is a first-class remedy for fear. Especially in situations where the fear of death is palpable, where there has been a shock, where the blood literally freezes in your veins—standing face to face with the saber-toothed tiger, so to speak.
PULSATILLA deserves to be mentioned at the very top, even though it is not so well known as a fear remedy. The pasque flower soothes feelings of loneliness, abandonment, and fear of the uncertainty of the future (again simulating the saber-toothed tiger scenario, where we are excluded from the group and expect the tiger’s attack).
CALCIUM CARBONICUM is perhaps known as a developmental remedy for babies, but it counters fear of illness and misfortune, two famous saber-toothed tigers.
Many other fear remedies are available and can be looked up by those interested in homeopathy. Fear can also be excellently balanced with Bach flower remedies:
ASPEN is suitable for vague fears that cannot be assigned and are not preceded by a conscious event.
CERATO can be a good combination flower when uncertainty about one’s gut feeling, intuition is huge. Those who no longer know their own truth or the truth of others live in fear.
RESCUE, a mixture of five flowers, works excellently for acute panic attacks in emergencies and shock, to bring the body and consciousness out of sudden paralysis.
An exercise that can be done quickly and anytime to redirect the fear sitting in the central nervous system (brain, spine) to the peripheral nervous system and thus take the focus off the fear: When feeling noticeable fear, for example of illness, consciously direct attention to the hands or feet and notice whether the feet are warm or cold, whether the hands are moist or dry.
And always remind yourself that saber-toothed tigers are extinct.