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1 Stunde und 48 Euro später

Wir haben seit über zwanzig Jahren eine Tierärztin, die weiß, dass es sich meistens um einen Notfall handelt, wenn ich anrufe, denn ich rufe selten an. Sie hat meine naturheilkundlichen Methoden noch nie hinterfragt und ist zur Stelle, wenn ich mit meinem Latein am Ende bin. So wie an jenem Morgen.

Jeder verantwortungsvolle Tierfreund weiß um die Gefahr des Verschluckens von Kleinteilen, Plastik, Schokolade sowieso (giftig für Hunde) u.ä. Trotzdem kommt es vor, dass die kleinen Racker manchmal schneller zuschnappen, als man nach etwas Heruntergefallenem greifen kann. Ich bin komplett zerknirscht, wenn ich daran denke, dass Tampons aus der Verpackung gefallen sind und unsere fünf Monate alte Hündin nach einem geschnappt hat, in der Hoffnung, dass es sich um ein Leckerli handelte. In Sekundenschnelle griff ich in ihr Maul, aber der Fremdkörper war nicht zu ertasten. Zwei Möglichkeiten: entweder hat sie ihn wieder ausgespuckt und er ist zu den anderen auf den Boden gefallen oder sie hat ihn in Windeseile hinuntergeschluckt, damit ich ihr ihre Beute nicht wegnehmen konnte. Ich konnte nicht sehen, ob sie ihn ausgespuckt hatte, weil ich nicht wusste, wie viele zu Boden gefallen waren. 

 

Mein erster Gedanke: Notfall! Mein zweiter Gedanke: der Hund muss erbrechen, aber wie stelle ich das an? Zwei, drei Minuten lang überlegte ich es selbst in die Hand zu nehmen, aber ich wusste, dass Zeit kostbar war und so rief ich unsere Tierärztin an. Sie meinte, dass sich die Zellulose des Tampons wahrscheinlich auflösen und abgehen würde, aber der Faden machte ihr Sorgen (Verschlingungen im Darm!). So packten wir unseren Liebling ein und waren fünf Minuten später in der Ordination. Abgewogen, kurz schwanzwedelige Begrüßung, Spritze mit einem Cocktail zum Erbrechen in die Pobacke, schnell ins Auto, nach Hause gerast, Hund ausgepackt und los ging die bisher erbärmlichste Stunde für unseren Welpen. Und für mich! Geplagt von Schuldgefühlen wegen der Unachtsamkeit und vom Mitgefühl und Mitleid durchlitt ich mit ihr diese gräßlichen sechzig Minuten, in denen der kleine Körper vor Übelkeit und Brechreiz und Kreislaufschwäche bebte. 

Das Erbrechen konnte ich ihr nicht ersparen, aber die Natur würde ihr helfen, sich von dem traumatischen Prozess rasch zu erholen. Nachdem der Magen innerhalb der ersten paar Mal Erbrechen komplett geleert war und nur mehr Schleim zum Vorschein kam, begann ich mit dem Einsatz von Homöopathie gegen die Nebenerscheinungen des Brechmittels wie Zittern, Kreislaufschwäche, Vergiftungs- und Kollapssymptomatik. Die nachfolgenden Mittel passen bei Mensch und Tier in vielen Fällen von Unverträglichkeit und Vergiftung durch falsches Essen sowie Kreislaufkollaps als Folge von Durchfällen und Erbrechen, also Dehydrierung.

 

NUX VOMICA C200 wirkt heftigem Brechreiz und Krämpfen entgegen und entgiftet die Leber vom Brechmittel.

 

PULSATILLA C200 stellt die Ordnung im Magen-Darm-System wieder her und beruhigt das Zentralnervensystem. Auf die Psyche hat PULSATILLA einen tröstlichen Einfluß.

 

CARBO VEGETABILIS C200 ist ein Akutmittel bei Kollaps und Schwächezuständen, das ich auch manchmal während schwerer Koliken bei Pferden als Zwischen- oder Abschlussmittel gebe, wenn der Kreislauf arg in Mitleidenschaft gezogen wurde.

 

Im vorliegenden Fall habe ich NUX VOMICA und PULSATILLA je 3x ein paar Globuli im Abstand von ein paar Minuten verabreicht und CARBO VEGETABILIS zweimal innerhalb von fünf Minuten (das nennt man eine Doppelgabe), sobald der Brechreiz abnahm, um den Kreislauf wieder zu stabilisieren. 

 

Unsere junge Hündin schlief nach der Doppelgabe CARBO VEGETABILIS bald ein und erholte sich in einem kurzen Powernap so gut, dass sie sich danach streckte, auf den Rücken drehte und mit dem Schwanz freudig wedelte. Alles war wieder gut! 

Ein Stunde später verdrückte sie ein Stück getrocknetes Brot und eine weitere Stunde später bekam sie Putenfleisch mit Gemüsebrei (Karotten, Fenchel, Apfel). Alles wurde gut vertragen, die Verdauung funktionierte einwandfrei und übrig blieben die Erinnerung an gräßliche sechzig Minuten und der Zahlschein für den Tierarztbesuch.

 

Ach ja: wir untersuchten das Erbrochene genau, ein Fremdkörper war nicht dabei. Sie musste ihn so schnell ausgespuckt haben, wie sie ihn aufgenommen hatte.