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Hundetränen

Wir haben zwei wundervolle Australian Shepherds und dachten, dass wir seelischen Schmerz für sie ausschalten können. Und bei beiden Hunden ist ein profunder Riss in ihrer Vertrauensfähigkeit entstanden, den wir beide Male in detektivischer Kleinarbeit herausfinden mussten. Kein noch so erfahrene Tierhalter kann ausschließen, dass er Fehler begeht, die auf den ersten Blick gar nicht wie solche aussehen. Tiere sind nicht einfach, wie sie sind, weil sie so auf die Welt gekommen sind - sie reflektieren ihre Erlebnisse mit Menschen so, wie sie sie wahrnehmen. 

 

Nachdem wir zwei Border Collies hatten, holten wir unseren ersten Australian Shepherd zu uns. Von einer sehr erfahrenen, ganzheitlich und naturheilkundig arbeitenden Züchterin. Wir hofften, die idealen Voraussetzungen für einen gesunden, glücklichen, unbeschwerten Hund gefunden zu haben. Am Tag der Abholung regnete es. Unser Welpe kam mit seiner Hundemama auf uns zu, wir spielten mit ihm und seiner Mama eine gute Weile, tratschten mit der Züchterin und dann kam der Zeitpunkt des Abschieds. Welpen sind sehr neugierig und wollen alles entdecken. So ging er voller Freude mit uns mit, wir gingen noch ein paar Schritte auf einem Waldweg, damit er sich erleichtern konnte und stiegen mit ihm ins Auto ein. Mit an Bord war sein Kuscheltier, das bei ihm und seinen Geschwistern die ganze Zeit war und den Geruch seiner Hundefamilie trug. So war der vertraute Geruch bei ihm und ich setzte mich mit ihm auf die Rückbank, wo er gleich einschlief und bis auf ein paar Pinkelpausen sieben Stunden durchschlief bis nach Hause. Ich schlief drei Wochen bei ihm im Wohnzimmer und behütete ihn Tag und Nacht, damit ihm die Eingewöhnung leichtfiel. Er freute sich über unseren alten Border-Collie-Herrn und war ein lustiges, sehr freches Kerlchen.

Das Problem, mit dem wir ein Jahr lang gingen, war das ständige Erbrechen, teilweise sehr massiv, beim Autofahren. Die typischen Mittel gegen Reisekrankheit in Form von Bachblüten und Homöopathie halfen nicht im Geringsten. Wir waren ratlos. Wir waren gewohnt, dass wir unsere Hunde auf unseren Ausflügen und Urlauben mitnahmen - nun sollte das nicht mehr funktionieren? Ich begann, das Problem bis ins kleinste Detail zu zerlegen, bis ich auf die Idee kam zu beobachten, wann der Speichelfluss (das Anzeichen für Übelkeit) einsetzte. Ins Auto einzusteigen war kein Problem, den Hundegurt auf der Rückbank anzulegen auch nicht, aber das Auto zu starten verursachte bereits Übelkeit. Also halfen auch die Mittel gegen Reiseübelkeit nicht, weil die Ursache für die Übelkeit nicht das Schaukeln im Auto war sondern das Starten des Motors. Wir bemühten uns wie ein Hund wahrzunehmen: mit dem Auto zu fahren bedeutete die Gefahr von seiner vertrauten Umgebung weggebracht zu werden, wie bei seiner ersten Autofahrt weg von seiner Mama und seinen Geschwistern. 

Nachdem wir hofften, dass dies die Ursache für sein Erbrechen im Auto war, behandelte ich ihn auf dieses Traum hin mit dem homöopathischen Mittel LAC CANINUM, der potenzierten Hundemilch. Traumen verschwinden nicht mit einer Gabe Globuli, sie sitzen tief und brauchen Zeit. Eine Freundin, ebenfalls erfahrene Hundehalterin, riet uns zusätzlich, übergangsmäßig den Sitzplatz für unseren Aussie im Auto zu verändern. So kam er von der Rückbank zu uns auf den Beifahrersitz, gesichert und geschützt. Und siehe da: keine Übelkeit, kein Erbrechen. Nach ein paar Wochen des Trainings wanderte er wieder zurück auf seinen Platz auf der Rückbank und es war kein Problem mehr. Heute ist er ein begeisterter Autofahrer und schläft gemütlich stundenlang auf unseren Autoreisen.

Eine Sache blieb allerdings verwunderlich: unser Aussie mag nicht ins Wasser und hasst es nass zu sein. Bei Regen rennt er an der Hauswand entlang, damit er keinen Tropfen abbekommt und wenn er bei unseren Läufen im Regen doch nass wird, muss ich ihn mit einem Badetuch so lange abrubbeln, bis er trocken ist. Ich weiß nicht, ob das in Verbindung steht mit dem Regen an seinem Abholtag weg von seiner Hundefamilie oder ob das einfach eine Spezialität seines Wesens ist. Seltsam ist es allemal: ein Aussie, der nicht schwimmen mag.

Bei unserer Hundedame, ebenfalls eine Aussie Hündin von derselben Züchterin, waren wir uns einig: so ein Fehler passiert uns nicht mehr. Und dann wurden die Grenzen von Österreich nach Deutschland geschlossen und nur mehr die Einwohner aus Kärnten durften nach Deutschland einreisen. Wie sollten wir unser Hundebaby abholen? Unser Züchterin hatte die rettende Idee: Verwandte von ihr aus Kärnten holten aus demselben Wurf einen Welpen ab und erklärten sich bereit unseren Baby-Aussie mitzunehmen. Der Abschied war schmerzlos, die beiden Welpen fühlten sich im Auto miteinander wohl, denn schließlich kannten beide die Kärntner gut. Bis wir in Kärnten angekommen waren, lernten die Hundewelpen schon die neue Wohnung kennen. Nachdem die jungen Vierbeiner bereits viele Stunden unterwegs gewesen waren und wir auch noch eine Fahrt von gut eineinhalb Stunden vor uns hatten, wollten wir nicht zu lange warten und nahmen die Kleine nach einem kurzen Aufenthalt mit uns nach Hause mit. Im Auto wartete bereits unser großer Aussie, der sehr neugierig und erfreut schien. Überwältigt von den vielen Eindrücken des langen Tages schlief unser Welpe auf der Heimfahrt in den Armen unserer Tochter ein. Wie auch bei unserem ersten Aussie schliefen wir in den ersten Wochen bei den Hunden und unternahmen alles, damit die Eingewöhnung gut verlief. 

Auch diese junge Hundedame erbrach während der Autofahrten. Es war zwar nicht so heftig wie bei unserem Rüden, aber auch hier halfen die üblichen Reiseglobuli nicht - wir dachten zu Beginn, dass das Erbrechen manchmal wirklich nur am Schaukeln liegen konnte und nicht immer ein Trauma zugrunde liegen musste. Das Erbrechen hielt sich in Grenzen, wir dachten nicht weiter nach. Die üblichen Maßnahmen von ein paar Stunden nicht füttern vor Autofahrten hielten wir ein, das Erbrochene war dann meistens nur etwas Schleim, nichts Aufregendes. In der Hoffnung, dass es sich mit zunehmenden Alter legen würde, blieben wir bei unserer Vorgehensweise. Allerdings begann sich die Übelkeit nach einmaligem Erbrechen nicht zu legen, sondern das Speicheln blieb bestehen, so sehr, dass wir die Hündin vom Rücksitz auf den Beifahrersitz verlegten. Eine leichte Besserung stellte sich ein, aber noch nicht zufriedenstellend. Bei einem Tierarztbesuch später beschäftigten uns die Worte der (ganzheitlich arbeitenden und sehr offenen) Tierärztin: "Die Hündin ist nicht dominant, sie hat Angst." (Unsere Aussiehündin bellte jeden Fremden sehr ausgiebig an, bevor sie vielleicht zu beruhigen war). Wovor hätte sie Angst? Unsere Tochter formulierte eine mögliche Hundeversion: so wie bei unserem ersten Aussie ist die Autofahrt eine mögliche Gefahr das Vertraute zu verlieren - das vertraute Zuhause ihrer Hundefamilie, die vertrauten Kärntner, das gewonnene und gleich wieder verlorene neue Zuhause der Kärntner. Ich kann meinem jungen Hund nicht erklären, dass die Regierung uns verboten hat ihn abzuholen und er von Anfang an bei uns sein sollte, die liebenswerten Kärntner uns einen großen Gefallen getan haben und deshalb brauche er keine Angst vor weiterem Verlust zu haben. So denkt ein Hund nicht. Autofahrten und fremde Menschen bedeuten Gefahr vor Verlust. 

Sie bekommt seit kurzem ebenfalls LAC CANINUM und Bachblüten und wir beobachten, was sich verändert. Vor ein paar Tagen war der Installateur bei uns, den sie noch nie gesehen hatte, und nach kurzer Aufregung (ohne Bellen) war sie von ihm begeistert, obwohl er für sie fremd war. In absehbarer Zeit sind zwei Urlaube in Österreich geplant mit Autofahrten und Übernachtungen - ich bin neugierig, was sich bis dahin getan hat.

P.S: Bei Traumen soll man auch unbedingt an weitere Arzneien denken: CARCINOSINUM und STAPHISAGRIA. Zur Auflösung von Kummer, Trauer und Enttäuschung dient auch IGNATIA.