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improvisiert / unscripted

Diese Aufnahme entstand mitten auf der Nordsee Überquerung während einer Flaute. Hinter unserem Schiffsheck landete eine Möwe nach der anderen und gleich begann das Rangeln um einen Platz ganz vorne in der Hoffnung auf den einen oder anderen Fisch von unserem Schiff. Sie verstanden jedoch bald, dass wir kein Fischerboot waren und verloren schließlich das Interesse an uns. Von uns war nichts Attraktives zu holen.

 

Nun führte ich aktuell ein Gespräch darüber, warum so viele junge Menschen in dieser Zeit Single sind und sich auch tatsächlich schwer tun eine Beziehung zu initiieren. Was ich erfuhr, stimmte mit meinen Erfahrungen als junger Mensch vor mehreren Jahrzehnten nicht einmal im Ansatz mehr überein.

Durch den unausweichlichen Druck der sozialen Medien in Kombination mit dem in den vergangenen Jahren antrainierten Verhalten den persönlichen Kontakt zu minimieren ist eine Generation Z entstanden, die sich inszeniert, maskiert und präsentiert, um akzeptiert und applaudiert zu werden. Mit der öffentlichen Präsentation einer Wunschversion von sich selbst macht man sich unglaublich verwundbar durch die oft gnadenlose Beurteilung gesichtsloser, unbekannter Menschen. Das verletzt das natürliche Schutz- und Sicherheitsbedürfnis, das für eine solide Beziehung unumgänglich ist. Misstrauen wächst -  wegen der Angst vor Ablehnung und der Angst vor der geschönten Authentizität des Gegenübers. Das Resultat: Moderne Einsamkeit - mit der ganzen Welt verbunden und gleichzeitig nicht verbunden sein. Auslöser für so viele depressive, junge Menschen.

Die Präsentation im weltweiten Netz dient zwar der Kontaktaufnahme, quasi eine Werbung für sich selbst, eine Be-Werbung für die Teilnahme am Sozialleben, zeigt aber nur den Menschen, der er/sie wünscht zu sein. D.h. niemand traut sich so zu sein, wie er/sie sich wirklich wohlfühlt aus Angst die Zustimmung in Form von virtuellen Herzen und Daumen nach oben zu verlieren. Echte Beziehungen im richtigen Leben funktionieren allerdings anders, vielmehr nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum - Reibung, Ablehnung und das Trainieren des Sozialisierungsprozesses gehören dazu, wenn man echte Beziehungen führen will. Enttäuschungen sind Teil dieses Prozesses. Meine Generation, die Generation X, trainierte (dankenswerter Weise begünstigt durch das Nichtvorhandensein von Internet und Handy) den Umgang mit Ablehnung und Enttäuschung oft mehrmals täglich im Kontakt mit Eltern, Freunden, Lehrern. Durch das Fehlen von liebevollen Grenzen, an die sich heranwachsende Menschen anlehnen können und die ihnen als Orientierungshilfe dienen, und die grenzenlosen Möglichkeiten der Nicht-Identifikation mit dem eigenen Selbst in der Kontaktlosigkeit der virtuellen Welt gibt es kein Training der sozialen Fähigkeiten im Umgang mit den Mitmenschen. Enttäuschungen werden zu unüberwindbaren Hindernissen und bestätigen das Rückzugsverhalten in die scheinbare Sicherheit der kontaktlosen, virtuellen Welt.

 

Zur Zeit der Generation X vor mehreren Jahrzehnten gab es diese Option schlichtweg nicht. Versuch und Irrtum und Improvisation waren unser Alltag. Die Enttäuschung hinzunehmen als das, was sie ist - eine Enttäuschung - und es immer wieder zu versuchen, war der einzige Weg zu einer Beziehung. Das war nicht angenehm oder leicht, kostete Überwindung und brachte das Risiko sich zu blamieren. Und die wundervolle Chance sich zu entwickeln hin zu dem Menschen, der in einem steckt.

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist." (Henry Ford). 

This shot was taken in the middle of the North Sea crossing during a lull. Behind our ship's stern one seagull after another landed and just like that there was jostling for a place right at the front, hoping for one fish or another from our ship. But they soon realised, that we weren't a fishing boat and finally lost interest in us. There was nothing enticing to be had from us.

 

Now  I  was  having  a  current  conversation  about  why  so  many  young  people  are  single  in  this  time — and  why  they  also  genuinely  find  it  hard  to  initiate  a  relationship.  What  I  learned  didn’t  match,  even  remotely,  my  experiences  as  a  young  person  several  decades  ago.

 The  inevitable  pressure  of  social  media,  combined  with  the  behavior  that  has  been  trained  over  the  past  years  to  minimize  personal  contact,  has  produced  a  generation  Z  that  stages  itself,  masks  itself,  and  presents  itself  in  order  to  be  accepted  and  applauded.  By  publicly  presenting  a  desired  version  of  oneself,  one  becomes  unbelievably  vulnerable  to  the  often  merciless  judgment  of  faceless,  unknown  people.  This  hurts  the  natural  need  for  protection  and  security — an  absolute  prerequisite  for  a  solid  relationship.  Distrust  grows —because  of  the  fear  of  rejection  and  the  fear  of  the  other  person’s  artificially  polished  authenticity.  The  result:  modern  loneliness — with  the  whole  world  connected  and  yet  not  connected.  A  trigger  for  so  many  depressed  young  people.

Presenting  oneself  on  the  worldwide  web  may  serve  contact-making,  almost  like  an  advertisement  for  oneself —an application  for  participation  in  social  life —but  it  shows  only  the  person  one  wants  to  be.  In  other  words,  no  one  dares  to  be  the  way  they  truly  feel,  because  they’re  afraid  of  losing  approval  in  the  form  of  virtual  hearts  and  thumbs-ups.  Real  relationships  in  real  life  work  differently:  more  according  to  the  principle  of  trial  and  error — friction,  rejection,  and  training  the  process  of  socialization  are  part  of  it,  if  you  want  to  build  real  relationships.  Disappointments  are  part  of  that  process.  My  generation,  generation  X,  was  trained  (thankfully  aided  by  the  fact  that  the  internet  and  cell  phones  didn’t  exist)  to  deal  with  rejection  and  disappointment  often  more  than  once  a  day  in  contact  with  parents,  friends,  teachers.

Because  there  are  no  loving  boundaries  to  which  people  can  lean  as  they  grow  up — and  which  serve  as  orientation — combined  with  the  limitless  ability  to  disidentify  with  one’s  own  self  in  the  detachment  of  the  virtual,  contactless  world,  there  is  no  practice  in  social  skills  for  dealing  with  other  people.  Disappointments  become  insurmountable  obstacles  and  confirm  withdrawal  into  the  seemingly  safe  world  of  contactless  virtuality.

 

 In  the  time  of  generation  X,  several  decades  ago,  this  option  simply  didn’t  exist.  Trial and error and improvisation were our everyday life. Accepting  disappointment  for  what  it  is — disappointment — and  trying  again  and  again  was  the  only  way  to  have  a  relationship.  It  wasn’t  pleasant  or  easy;  it  required  overcoming  things  and  carried  the  risk  of  humiliating  oneself.  And  it  brought  the  wonderful  chance  to  develop  into  the  person  that’s  already  inside  you.

“Who always does, whatever he can already do, remains the person, he already is.” (Henry Ford)