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Leben, Gesundheit, Krankheit, Heilung

Das Leben selbst ist unsichtbar, weshalb alle Lebewesen eine Form und einen Körper haben, damit wir das Leben als solches wahrnehmen können. Wir wünschen uns alles in seiner stofflichen Gestalt und können nur schwer an das glauben, was wir nicht mit unseren Sinnen erleben. Das Äußere ist grundsätzlich vom Inneren abhängig. Z.B. steuert unser Wunsch zu gehen unsere Beine - wir sehen die Bewegung, nicht aber unsere Gedanken, die diese Bewegung verursachen. Wir sehen Tränen, nicht aber die Trauer, die zu diesen Tränen führen. Um unser Äußeres kümmern wir uns oft mehr als um unser Inneres, aber wenn jemand gestorben ist, erinnern wir uns nicht daran, welches Auto er gefahren oder welche Kleidung er getragen hat, sondern daran wie er mit anderen in Kontakt war. 

Gesundheit und Krankheit sind zwei verschiedene Ebenen des Lebens und drücken sich durch ihre individuellen Zeichen aus. Krankheit ist nicht getrennt vom Leben als ganzes, sie beginnt im Innersten des Lebewesens und zeigt den veränderten Zustand von Gesundheit.

Gesundheit ist ein Zustand von Unbeschwertheit und Harmonie, Körper, Geist und Seele befinden sich in einer rhythmischen und koordinierten Übereinstimmung. Bewegung und Alltag werden ohne Schmerz und Stress bewältigt, alle Vorgänge funktionieren reibungslos. Für die Aufrechterhaltung dieses koordinierten Flusses ist die Lebenskraft in Form von Abwehr und Immunsystem verantwortlich. Sie schützt uns vor Krankheit und wirkt wie ein Speicher, den es immer wieder aufzufüllen gilt. 

Als berüchtigte Verbraucher verschleißen wir Menschen die Speicher unserer Lebenskraft mit monotonen Lebensstilen, mangelhafter Ernährung und Vernachlässigung unseres Geistes. Krankheit ist das Ergebnis einer erschöpften Lebenskraft. Erst dann werden Bakterien und Viren zur Bedrohung für den Körper. Eine geschwächte Lebenskraft ist anfällig für die Angriffe einer feindlichen Umgebung und alarmiert uns in Form von Symptomen. Bevor sich eine geschwächte Lebenskraft auf der stofflichen Ebene zeigt, bemerken wir Veränderungen in der Dynamik. So ist das Krankheitssymptom nur die Frucht einer Krankheit.

Ein Beispiel: Jemand isst in einem Lokal eine Mahlzeit, die er dort davor schon oft gegessen hat. Dieses Mal entwickelt er eine Magen-Darm-Entzündung. Bei genauer Betrachtung stellen wir fest, dass er am Vorabend Streit hatte und seine Frau ihm mit Scheidung gedroht hatte. Damit Bakterien, Viren oder Pollen unsere natürliche Schutzbarriere durchdringen und Schäden anrichten können, muss zuvor ein Schlupfloch entstehen. Vor dem Auftreten der physischen Krankheit, muss es zuerst eine dynamische Krankheit geben. 

Laut Hahnemann sind die pathologischen Veränderungen des Körpers nicht die auslösenden Ursachen der Krankheit sondern das Endergebnis eines krankmachenden Lebensprozesses. Das Leben selbst ist unsichtbar, nur die Auswirkungen in Form von Gefühlen, Bewegung und Körperfunktionen erkennen wir. Heilung ist nur dann möglich, wenn es gelingt die dynamische Lebenskraft zu stärken, damit die normalen Funktionen wiederhergestellt werden. Die Homöopathie hält sich streng an die von der Natur vorgegebenen Prinzipien und verschreibt potenzierte Mittel zur Stimulierung dieser dynamischen Lebenskraft. 

Heilung bezeichnet die Wiederherstellung des Zustandes vor der Krankheit und nicht bloß die Beseitigung lästiger Symptome. Bei jeglicher Form von Rückfall hat es davor keine Heilung gegeben. Wenn die Bauchkrämpfe anhalten, obwohl die Laborwerte normal sind, ist der Mensch von einer Magen-Darm-Grippe nicht geheilt. Linderung oder Unterdrückung sind nicht gleich Heilung. Linderung ist bei schweren Erkrankungen manchmal nötig. Unterdrückung kommt einem Benzin ins Feuer schütten gleich.

Ein Beispiel: Eine Frau trauert, nachdem ihre Tochter ausgewandert ist. Eine Zeit später entwickelt sie einen Brusttumor, der entfernt wird. Die Trauer um ihre Tochter im Ausland ist nach wie vor vorhanden, die faule Wurzel wurde nicht beseitigt sondern lediglich die faule Frucht. Nun erwartet man, dass die Wurzel gesundet, wenn die Frucht entfernt ist. Die durch die Trauer geschwächte Lebenskraft entwickelt weitere Symptome, um die Frau auf ihre faule Wurzel hinzuweisen: Eierstockzysten, Polyarthritis usw. Die Lebenskraft nimmt immer mehr an Stärke ab, bis sie mit einer massiven Blutung Abschied nimmt. 

Wahre Heilung gelingt nur mit der dynamischen Stärkung der Lebenskraft, die die Wiederherstellung des koordinierten Flusses in Körper, Geist und Seele ermöglicht. Homöopathische Arzneimittel stimulieren nach genau diesem Naturgesetz die Lebenskraft.

Quelle: Die Reise einer Krankheit von Dr. Mohinder Singh Jus