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Das psorische Miasma Teil 2

Empfindlich, reizbar, nervös, verletzlich, beleidigt, enttäuscht, verärgert, gierig. Psora beißt uns - es macht Löcher in unsere Identität, es macht uns schwächer. Die Psora ist wie ein schwerer Rucksack: Erwartungen an den anderen, die nicht erfüllt werden, oder Dinge anzuhäufen, belasten uns. Psorische Menschen müssen immer mehr haben. Sie finden keine Ruhe am Tag und keine Ruhe in der Nacht. Sie sammeln, brauchen Sicherheit - aber die Grenze, bis wohin sie ihre Sachen mitnehmen können, befindet sich eineinhalb Meter unter der Erde. Vor dieser Grenze müssen sie alles zurücklassen. 

Psorische Menschen sind sehr intelligent: sie haben eine schnelle Auffassungsgabe und lernen gut. Aber Intelligenz ist nicht Weisheit. Intelligenz ist wie das rohe Gemüse, Weisheit ist wie das fertige Gericht, das mit dem rohen Gemüse zubereitet wurde. Psorische Menschen sind intelligent, selten weise. 

Weil psorische Menschen nicht abschalten können, leiden sie auch an Konzentrationsstörungen, sitzen vor Büchern ohne ein Wort lesen zu können, haben viele Pläne und Ideen, die sie nicht umsetzen. Unkonzentriert, unruhig und ziellos. Wie ein innerer Juckreiz. Hautausschläge bringen den inneren Juckreiz nach aussen, damit er im Inneren abnimmt. 

Etwas wegzugeben ist für psorische Menschen so schwer: meine alten Schuhe kann ich nicht weggeben - sie taugen ja noch zur Gartenarbeit, obwohl sie Löcher haben. Baden oder duschen, also Schmutz wegzugeben, ist so schwer. Kleine Kinder mögen sich nicht schnäuzen oder teilen ihr Spielzeug nicht. 

Ehrgeiz, das Beste haben zu wollen, etwas Besonderes zu besitzen, schneller, höher, stärker - alles psorische Eigenschaften. Wenn man etwas besitzt, hat man Angst es zu verlieren. Wenn man nichts hat, hat man auch keine Angst vor Verlust. Früher wohnte er in einer Einzimmerwohnung und musste nie abschließen. Heute gehört ihm ein großes Haus mit einer Alarmanlage, denn jetzt hat er Angst, jemand könnte ihm etwas stehlen. 

Je mehr wir anhäufen, sammeln, besitzen, umso schwerer tragen wir. Wir liegen dem Irrtum auf, dass wir umso länger gehen, je schwerer wir tragen. Aber gehen wir nicht leichter und länger, je weniger Ballast wir mitschleppen? Psora ist die Mutter aller Krankheiten und jeder Mensch hat einen gewissen Anteil von Psora in sich. So kommt es, dass Psora laut Hahnemann auch nicht heilbar ist, sondern nur erleichtert werden kann. 

Quelle: Die Reise einer Krankheit von Dr. Mohinder Singh Jus